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Arbeitszeugnis - Überblick

1. Wie kann ich mich gegen ein ungerechtes Arbeitszeugnis wehren?
Sie haben Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, in dem Ihre Tätigkeiten (bis auf Unwesentlichkeiten abgesehen) umfassend wiedergegeben und Ihre Leistung und Führung gerecht beurteilt wird.
Erfüllt das Arbeitszeugnis Ihrer Ansicht nach diese Anforderungen nicht, so haben Sie einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Berichtigung. Dabei ist es bei einem unterdurchschnittlichen Arbeitszeugnis so, dass Ihr Arbeitgeber beweisen muss, dass die Beurteilung zutreffend ist. Verlangen Sie hingegen eine überdurchschnittliche Beurteilung (gut oder sehr gut), dann müssen Sie darlegen und beweisen, dass Ihre tatsächlichen Leistungen diese Beurteilung rechtfertigen. In der Praxis enden solche Prozesse jedoch in aller Regel mit einem Vergleich. Der Arbeitnehmer kann also fast immer noch etwas "herausholen". Knackpunkt ist, dass im Arbeitsgerichtsprozess keine Erstattung der Anwaltskosten stattfindet. Sofern also Ihre Rechtsschutzversicherung die Kosten nicht übernimmt, müssen Sie abwägen, ob Ihnen ein gutes Arbeitszeugnis so viel wert ist. Gerne geben wir Ihnen vorab und kostenlos Auskunft über die Höhe des Anwaltshonorars.

2. Gibt es Fristen, die ich hierbei beachten muß?
Es gibt keine starren Fristen, innerhalb derer Sie bei Ihrem Arbeitgeber die Änderung ihres Arbeitszeugnisses verlangen müssen. Kümmern Sie sich allerdings zu lange gar nicht um eine Änderung, kann Ihr Anspruch irgendwann „verwirkt“ sein, weil der Arbeitgeber wegen des langen Zuwartens davon ausgehen konnte, die Sache habe sich erledigt. Bis zu einer solchen Verwirkung müsste allerdings ein recht langer Zeitraum vergangen sein. In der Regel würde ich zumindest davon ausgehen, dass ein Änderungsanspruch auch noch bis zu einem Jahr nach Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis geltend gemacht werden kann

3. Arbeitszeugnis - Dank für Zusammenarbeit?
Üblicherweise werden wohlwollende Arbeitszeugnisse abgerundet durch eine Abschlussformel die etwa lautet: "Wir bedauern, dass ........ aus unserem Unternehmen ausscheidet und danken ihm/ihr für die stets gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir ihm/ihr alles Gute und weiterhin viel Erfolg." Dieser positive Schlusssatz ist durchaus geeignet, die Bewerbungschancen des Arbeitnehmers zu erhöhen weil er jedes Arbeitszeugnis aufwertet. Wie das Bundesarbeitsgericht jedoch feststellt (BAG, Urteil vom 20. 2. 2001 - 9 AZR 44/00), hat der Arbeitnehmer  keinen Anspruch auf eine solche "Dankes- und Bedauernsformel".
Für Arbeitnehmer hat dieses Urteil die unangenehme Konsequenz, dass trotz Anspruchs auf ein "gutes" Arbeitszeugnis (welcher z. B. in einer Zeugnisberichtigungsklage erstritten wurde) kein Anspruch auf die Abschlussformel besteht, obwohl ein Arbeitszeugnis ohne Abschlussformel in der Praxis oft als negativ beurteilt wird, weil bei späteren Bewerbungen aus deren Fehlen darauf geschlossen werden kann, dass das Arbeitsverhältnis mit erheblichen Verstimmungen geendet hat.

4. Anspruch auf ein (endgültiges) Arbeitszeugnis auch bei laufendem Kündigungsschutzprozeß?
Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf die Erteilung eines endgültigen Arbeitszeugnisses, von dem Zeitpunkt an, ab dem er faktisch aus dem Betrieb ausgeschieden ist. Dies gilt auch, wenn er während der Kündigungsfrist beurlaubt, von der Arbeit freigestellt oder während des Kündigungsschutzprozesses nicht beschäftigt wird. Der Arbeitnehmer kann also trotz laufenden Prozesses ein endgültiges Arbeitszeugnis verlangen, sofern er nicht mehr in dem Unternehmen beschäftigt wird. Als Zeitpunkt des Ausscheidens wird der Arbeitgeber regelmäßig den Zeitpunkt angeben, zu dem seiner Meinung nach das Arbeitsverhältnis wirksam beendet wurde. Stellt sich nach dem Ende des Prozesses ein anderer Beendigungszeitpunkt heraus, so muss das Zeugnis später berichtigt werden, indem gegen Rückgabe des alten Zeugnisses ein neues Zeugnis mit dem richtigen Enddatum ausgestellt wurde.

5. Wer muss das Arbeitszeugnis unterschreiben?

Es ist nicht erforderlich, dass der Arbeitgeber selbst (oder das vertretungsberechtigte Organ des Unternehmens) das Arbeitszeugnis unterschreibt. Es genügt die Unterzeichnung durch einen anderen Mitarbeiter, der dem Unternehmen des Arbeitgebers angehört . Wichtig und im Arbeitszeugnis deutlich zu machen ist allerdings, dass dieser Mitarbeiter dem betroffenen Arbeitnehmer gegenüber "ranghöher" und damit weisungsbefugt war.